Warum ein Film über ein YouTube-Netzwerk nicht mehr auf YouTube zu sehen ist

Die Webseite von YouTube ist auf einem Computerbildschirm zu sehen (Bild: picture-alliance/ZB)

YouTube professionalisiert sich (Bild: picture-alliance/ZB)

Vergangene Woche sendeten wir einen Film darüber, wie die Macher der YouTube-Netzwerke die Werbetreibenden ins Neuland der fast unbegrenzten (Werbe-) Möglichkeiten einladen und dabei völlig unbegrenzt und unbeaufsichtigt sind. Product Placement, gesponserte Clips, minutenlange Produktrezensionen, die unklar lassen, ob dafür Geld geflossen ist oder nicht  – alles geht und keiner überwacht es.

Zwar existiert im Rundfunkstaatsvertrag ein Passus für “fernsehähnliche Telemedien”, die den gleichen Regeln für Werbung und Produktplatzierung unterworfen sind wie der “alte” Rundfunk. Doch wann genau ein YouTube-Kanal zum “fernsehähnlichen Telemedium” wird: unklar. Und: Die Zuständigkeiten zur Überwachung sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Ein einziges Behörden-Chaos.

Für den Beitrag interviewten wir unter anderem Christoph Krachten, einer der Geschäftsführer des größten deutschen YouTube-Netzwerkes “Mediakraft“. Das Interview gab er ZAPP gern und ohne Nachfragen auf dem Produzententag in Berlin.

Eigentlich hätten wir gern das volle Interview mit Christoph Krachten online gestellt – er wollte das jedoch nicht.

Eigentlich hätten wir gern das Comedy-Trio Y-Titty, Teil des Mediakraft-Netzwerks, bei einem Dreh begleitet. Der sicher geglaubte Termin wurde nach dem Interview vom Management des Trios abgesagt. Ohne Angabe von Gründen.

Eigentlich hätten wir dann ersatzweise im Büro von “Mediakraft” drehen wollen. Auch das wurde uns verweigert – mit Verweis auf eine angeblich zu spontane Anfrage und dass man die Firma nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen wolle.

Als der Beitrag wie immer einen Tag nach der Sendung auf dem ARD-YouTube-Kanal hochgeladen wurde, meldete sich Krachten dafür in der Redaktion und bat darum, das Video so schnell wie möglich wieder zu löschen.

Seine Begründung: Er und Y-Titty hätten ZAPP nicht erlaubt, die zuvor per Mail freigegebenen Clip-Ausschnitte nochmals auf YouTube zu verwenden. Dies würde man generell nicht erlauben. Eine Prüfung des NDR Justitiariats ergab, dass Herr Krachten in der Tat das Recht dazu hat, den Beitrag von YouTube entfernen zu lassen, da die nötige Rechtefreigabe für die verwendeten Ausschnitte nicht vorliegt.

Im Mailverkehr zwischen dem Mediakraft-Pressesprecher und dem Autor war dies zwar nicht ausdrücklich untersagt, aber auch nicht explizit erlaubt worden. Es wurde schlicht nicht angesprochen. Somit darf der NDR den Film nur auf seinen eigenen Ausspielwegen zeigen: in der Mediathek und auf der ZAPP Seite. Dort ist er auch weiterhin abrufbar und wird es bleiben.

von Daniel Bröckerhoff


Der Beitrag wurde am Dienstag, den 19. Februar 2013 um 09:06 Uhr veröffentlicht und in der Kategorie Netzwelt abgelegt.
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14 Beiträge zu “Warum ein Film über ein YouTube-Netzwerk nicht mehr auf YouTube zu sehen ist

  1. Ich finde es sehr, sehr traurig, dass YouTube, ehemals eine Hobby-Werkstatt durch Firmen wie die “MEDIAKRAFT” von Krachten und seinem gelackmeierten Geschäftspartner so sehr kommerzialisiert wird, dass man schon Angst haben muss. Es geht nur noch ums Geld.. Geld, Geld, Geld. Und nicht gerade wenig. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass 1.000 Klicks im Durchschnitt 1 EUR an Werbeeinnahmen für den jeweiligen Kanal geben. Teilweise mehr. Und einige Kanäle brauchen ja einfach nur ein Video hochladen, in dem sie 30 Sekunden irgendwas erzählen, “Gewinnankündigung” oder sonstwas und das bekommt durch die Abonnenten direkt 500.000 Klicks. Was man dann für so ein Video erhält, kann sich jeder selbst ausrechnen.

    Und ‘Y-Titty’ brauchen mir nicht erzählen, dass sie das ganze nur zum Spaß machen.. TC und OG vielleicht noch, aber dieser Phil ist knallhart und bestimmt der Strippenzieher hinter dem Ganzen. Jedes Quartal ein Song für iTunes, “unterstützt uns, kauft bei Amazon, iTunes, etc. pp”, blablabla. Wenn es wenigstens originell wäre, aber mehr als die Hälfte ist eh von amerikanischen Kanälen geklaut.
    Jeder Kanal, der bei dieser “MEDIAKRAFT” mitmischt, ist mir von vornherein unsympathisch, leider sind auch viele “Gute” dabei wie ‘AlexiBexi’, ‘FreshalteFolie’ oder ‘BullShitTehVau’. Gerade letztere haben sich Anfangs immer wieder über die ‘Geldgeilheit’ von Sami Slimani aka ‘HerrTutorial’ aufgeregt, jetzt sind sie selbst so kommerz orientiert. Heuchlerisch. Ja, das ist das richtige Wort, alle größeren Kanäle werde mit der Zeit heuchlerisch!

  2. Mit diesem Posting wird uns vorgeworfen, wie würden Berichterstattung über uns behindern wollen. Das ist nicht der Fall. Wir möchten gerne erklären, wie sich die Situation aus der Sicht von Mediakraft darstellt. Zur Löschung des YouTube-Beitrags: Es ist richtig, dass es in den Gesprächen mit Zapp nie Thema war, dass dieser Beitrag auf YouTube veröffentlicht werden soll. Wäre das passiert, hätten wir bereits im Vorfeld gesagt, dass dies nicht möglich ist. In dem Beitrag werden Inhalte verwendet, deren Nutzungsrechte auf YouTube ausschließlich bei Mediakraft Networks liegen. Eine zusätzliche Verwendung dieser Beiträge steht in Konflikt mit unseren Nutzungsrechten. Wenn wir anderen Nutzern erlauben, unsere Inhalte auf YouTube weiterzuverwerten, gefährden wir damit die Geschäftsgrundlage unserer Kanäle, deren Betreiber von diesen Einnahmen leben.

    Zudem handelt es sich hierbei um einen eindeutigen Versuch seitens des NDR, die für die Öffentlich-Rechtlichen geltenden Veröffentlichungsfristen im Netz zu umgehen. Mit gutem Grund ist es dem über Gebühren finanzierten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk nicht erlaubt, bestimmte Inhalte dauerhaft im Netz bereitzustellen. Sie haben mit den Gebühren einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den privaten Medienanbietern. Um dies auzugleichen, gibt es entsprechende Vereinbarungen im Rundfunkstaatsvertrag. Aus dem gleichen Grund wollten wir nicht, dass das Interview mit Christoph Krachten in voller Länger veröffentlicht wird. Die Verwendung der O-Töne war nur für den Fernsehbeitrag gedacht.

    Unsere Büroräume und die dort arbeitenden Kollegen sind nicht von öffentlichem Interesse, deshalb, so ist es hier richtig dargestellt, müssen sie auch nicht im Mittelpunkt eines kritischen Fernsehbeitrags stehen.

    Bezüglich Y-Titty haben wir die Zapp-Redaktion während des Interviews mit Christoph Krachten darauf hingewiesen, dass es sehr schwierig ist, einen Drehtermin bei den Jungs zu bekommen und dass eine Absage definitiv im Bereich des Möglichen ist.

    Abschließendes Statement: Mit Beiträgen wie diesem versuchen die Öffentlich-Rechtlichen auf durchsichtige Art und Weise, Medienpolitik zu machen. Sie sind durch die Gebührengelder in ihrer Wettbewerbsposition deutlich im Vorteil gegenüber privaten Sendern, die immer in Konkurrenz zueinander stehen. Umso wichtiger ist es für uns, unsere Marktposition zu stärken, zum Beispiel, in dem wir unsere Inhalte so gut es geht vor Fremdverwertung schützen.

  3. Interessante Infos. Ich hoffe, dass ZAPP sich jetzt an die Infos hängt, die Auslöser dieses Verhaltens von Mediakraft gewesen sein könnten. Das würde eine ganze Menge Menschen auf der Plattform sehr interessieren.

    Oder soll es das schon gewesen sein?

  4. Lieber ÖR-Sender, wer im Glashaus sitzt…
    Für mich sieht das wie ein kläglicher Versuch aus die drohende Konkurrenz im Vorfeld klein zu reden.

  5. Ich würde es ebenfalls begrüßen, mehr über allgemein Netzwerke zu erfahren und speziell über dieses Netzwerk mehr zu erfahren. Ich verstehe zwar den Kritikpunkt meiner Vorredner, das Fernsehen würde die “drohende Konkurrenz” im Vorfeld klein reden, denke aber auch, dass das die einzige Möglichkeit ist, mehr von den Netzwerken zu erfahren, hinter die Kulissen zu schauen. Youtuber sind in dieser Hinsicht sehr eingeschränkt, können es sich oft nicht erlauben, einen gut recherchierten Beitrag über das Netzwerk zu produzieren, finanziell und weil sie vielleicht irgendwann auch einmal darauf angewiesen sind, in solch ein Netzwerk einzutreten. ZAPP habe ich bisher als sehr selbstkritisches Magazin empfunden, dass sich oft gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellt. Es beleuchtet alle Medien gleich kritisch. Und das ist auch gut so. Auch ein Medium wie Youtube MUSS kritisch beleuchtet werden!

  6. Lieber NDR, liebe ARD,

    die zunehmend tendenziöse Berichterstattung im Medienbereich unter dem Deckmantel des sogenannten investigativen Journalismus nimmt doch immer absurdere Formen an.
    ARD und ZDF sind doch die Täter, die auf der einen Seite Gebühren kassieren und gleichzeitig bei den Werbetreibenden die Hand aufhalten. Inoffizielles Product-Placement wird doch schon seit Jahr und Tag bei den ÖR-Sendern praktiziert. Man denke an Paroli und Schimi im Tatort, die Gummibärchen und den Audi bei Wetten Dass und viele viele andere Fälle… Aber es ist ja immer leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen – auch wenn es gar nichts zu sehen gibt! Aber vielleicht kann man dann schnell heimlich den eigenen Dreck unter irgendeinen Teppich kehren…
    Auch wenn ich bisher immer Fan vieler ÖR-Rundfunkprogramme war und bin und auch gerne die Rundfunkgebühren verteidige – es fällt doch immer schwerer, wenn ARD und ZDF sich langsam aber sicher auf ein immer niedrigeres Niveau bewegen.

  7. @Didi
    Es mag sein das ein Hintergedanke existiert der YouTube (Kanäle) als Konkurenz ansieht. Aber Spielregeln an die Sie die ÖR wie auch die Privaten Fernsehesender richten müssen sollte auch auf YouTube gelten und dazu zählt eben der Hinweis was Werbung, eigener Beitrag ist und wo Product Placement stattfindet. Die zeitlich begrenzte Bereitstellung von Beiträgen durch die ÖR ist eben Asbordität hoch 3. Wir Prodzieren etwas mit einer Zwangsabgabe für jeden Haushalt und dann darf man dies aber nicht dauerhaft bereitstsellen.

  8. @Mediakraft:
    Sie haben jetzt Ihre Sicht der Dinge beschrieben und offenbar gibt es da eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Geschehnisse.

    Wir wollten nur auf zwei Punkt eingehen:

    Wir umgehen durch die Veröffentlichung unserer Beiträge auf YouTube keine geltenden “Veröffentlichungsfristen” im Netz. Im Gegenteil: Es gibt ein detailliertes Verweildauerkonzept für den NDR, das für Sendungen und Magazin-Beiträge wie die von ZAPP gilt. Dieses Verweildauerkonzept bezieht sich auch auf alle Clips auf YouTube, die regelmäßig offline genommen werden. Interviews in voller Länge stellen wir prinzipiell bei vorliegender Genehmigung allein aus Transparenzgründen online. Diese werden prinzipiell NICHT auf YouTube hochgeladen.

    Sicherlich ist es Ihr gutes Recht, eine Nutzung Ihrer Ausschnitte zu beschränken. Allerdings finden sich auf YouTube Beispiele, wo Sie offenbar kein Problem damit haben: https://www.youtube.com/watch?v=NpdBimOKA-0.

  9. @Mediakraft.
    Es ist schon sehr bezeichnend, wenn eines der größten YT Netzwerke es für nötig erachtet, so ein Gewese um ein paar Filmschnipsel zu machen, anstatt sich zu den jünsten Vorfällen in Bezug auf einen seiner Partnerkanäle
    (Lord Abbadon) zu äußern, wo Minderjährige Mädchen – in diesem Fall unter anderem eine 12jährige – vom Betreiber des besagten YT Kanals über Facebook dazu ermuntert wurden, ihm aufreizende Nacktbilder zu schicken. Ein Skandal sondergleichen und kein einziger Ton dazu von euch. Aber was solls, so lange der Geldhahn nicht versiegt, kann man auf Verantwortungsbewustsein gut verzichten und den Rest der Netzwelt mit pseudomoralischen Erbsenzählereien terrorisieren. So viel zur schönen neuen Welt der YT Netzwerke.

  10. Wenn hier schon seitens Mediakraft jetzt mit “böses Fernsehen” argumentiert wird… was ist das Netzwerk dann?

    Zitat von der Homepage:
    “Die Mediakraft Networks GmbH ist Deutschlands größter TV-Sender im Internet…”

    Da haben wir’s doch…

    Wenn schon damit argumentieren, dann doch bitte wenigstens etwas geschickter. So liest sich die Sache wie ein halbwegs brauchbarer Versuch, gleiches mit gleichem zu vergleichen und dabei über die eigenen Füsse zu fallen…

    @Blogmoderator: gegen unkritische YT-Berichterstattung hat keiner ein Problem, hauptsache man guckt nicht hinter Kulissen…

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